Life stories

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Life tells a lot of stories. Some of them that I have lived in Italy, Tanzania, Berlin, Frankfurt, New Zealand or the rest of the world I would like to share here. Some might be sad, some philosophical, most will be funny. Most will be in English, but some may also be in German (and on rare occasions in Italian). Feel free to comment on any given story in either of these languages. I would love to hear what you think and feel when you read those stories.
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Auf Jagd

Life is interestingPosted by Jules Sun, January 14, 2018 06:57:45


Warst Du schonmal auf einer Jagd?

Für mich war es das erste Mal. Dann gleich so:

Mitten im neuseeländischen „Busch“, irgendwo auf der Nordinsel, kaum besiedelt und nur zu Wasser oder Luft erreichbar, liegt Dave‘s Hütte. Dave ist Bienenzüchter und stellt unter anderem den inzwischen so bekannten Manuka-Honig her.

Wir flogen dort per Flugzeug hin. Nach einer Stunde über grüne Landschaften, mit Blick auf Schafe, Rinder, wilde Bäche und Flüsse, Bienenstöcke - und auch hier und da Rotwild - drehen wir einige Runden über die Landebahn um die Schafe zu verscheuchen, die es sich auf dem langgezogenen Grünstreifen bequem gemacht haben. Aus der Luft und ausreichend Entfernung betrachtet sehen die Schafe aus wie kleine weiße Maden und die Rinder wie kleine Blattläuse. Wieder einmal fällt mir auf, dass die Perspektive so entscheidend ist.

Da frage ich mich, wie es aus der Perspektive der Blattläuse und Maden aussieht, wenn ich daher komme und sie zerdrücke weil sie mir in meinem Garten oder sonstwo nicht genehm sind...

Nun, wir sind ja extra zum Jagen unterwegs, da ist wenigstens die Perspektive auf Augenhöhe. Ich halte nichts davon, Tiere aus purem Spaß zu töten und esse wenig Fleisch, meine aber dass jede/r Fleischesser/in auch in der Lage sein sollte, ein entsprechendes Tier zu töten. Dennoch, abdrücken steht für mich gerade nicht auf dem Plan, ich will nur beobachten. Dabei kann ich mir noch nicht recht vorstellen, wie ich reagiere wenn der Schuss fällt.

Kaum angekommen und in Dave’s komfortabler Hütte eingerichtet machen wir uns auf zur ersten „Pirsch“. Alles darf geschossen werden außer Kühe, Schafe und Pferde. Schnell sichten wir das erste Dammwild, die Männer pirschen sich an, kommen jedoch erfolglos zurück.

Einige Stunden marschieren wir über Felder, durch Busch, an Wasserläufen entlang und über Hügel hinweg. Es wird noch einiges Wild gesichtet doch der „Erfolg“ bleibt aus. Bis wir auf dem Rückweg an der Stelle vom Hinweg noch einmal Dammwild sichten. Auf zwei verschiedenen Lichtungen weiden einige Tiere, doch sie hören unsere Schritte und sehen offenbar auch äußerst gut, so dass der nächste Versuch auf einer der Wiesen erneut scheitert. Ein Schuss verfehlt und die Tiere verschwinden im Wald.

Auf der anderen Lichtung wird fröhlich weiter gegrast. Dort geht es als nächstes hin und nachdem wir uns nah genug heran gepirscht haben zielt einer der Männer - und trifft. Ich sehe in einiger Entfernung einen rötlichen Fellkörper liegen. Nahezu automatisch gehen meine Hände an die Stirn und ich danke dem Tier.

Als wir näher kommen stellen wir fest, dass es noch lebt. Leicht blinzelnd, der Körper unnatürlich verdreht, schaut mir das Weibchen direkt ins Gesicht. Ich meine, Traurigkeit und Schicksalsergebenheit zu sehen. Ich merke, wie Traurigkeit in mir aufsteigt. Die Männer brauchen noch einen Schuss, um sie zu töten. Sie schaut mich die ganze Zeit an. Als sie zuckend stirbt laufen mir die Tränen, ich fühle eine tiefe Traurigkeit. Ich versuche, mich noch irgendwie mit dem Tier zu verbinden. Ihr zu danken für ihr Leben, ihr gute Reise zu wünschen ins Reich der Geister, zurück in den Kreislauf der Welt.

Dann beginnt das Zerlegen... meine Traurigkeit weicht dem Interesse. Ich beobachte, wie sie aufgeschlitzt wird, erkenne dass ihr Körper meinem so ähnlich aufgebaut ist - Hals, Bauch, Innereien...

Es ist OK. Und für mich steht jetzt erst recht außer Frage, dass ich nicht nachvollziehen kann, wie man ein Tier nur aus Spaß töten kann. Dieses Leben, dem wir so nah sind.

Ich freue mich auch darüber, dass ich meine Gefühle so wahrnehmen kann, dass sie mich mit meiner Umwelt verbinden. Und bleibe selbst lieber dabei, Tiere nur mit meiner Kamera zu schießen.

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